mazzucato66_Soumyabrata RoyNurPhoto via Getty Images_IndiaUPI Soumyabrata Roy/NurPhoto via Getty Images

Zentralbanken in einer bargeldlosen Welt

LONDON ‑ Die Wirtschaftswissenschaft hatte schon immer ein merkwürdiges und viel diskutiertes Verhältnis zum Geld. Lange Zeit betrachteten Ökonomen, darunter Nobelpreisträger wie Merton Miller und Franco Modigliani, Geld als reines Tauschmittel. Aufbauend auf den Arbeiten von John Maynard Keynes und Hyman Minsky haben sich die Ökonomen jedoch von der engen Fokussierung auf die Geldmenge gelöst und berücksichtigen seither auch den strukturellen Einfluss des Geldes auf die Realwirtschaft und das Finanzsystem.

Ein strukturelles Verständnis von Geld und Finanzen wird in einer zunehmend digitalisierten und bargeldlosen Welt noch wichtiger, da von politischen Entscheidungsträgern zunehmend erwartet wird, dass sie nicht nur als Marktregulierer, sondern auch als proaktive Marktgestalter agieren. Eine bargeldlose Welt verändert nicht nur die Beziehung der Menschen zum Geld und schafft neue Möglichkeiten des Umgangs und Verständnisses von Geld, sondern übt auch neuen Druck auf die Zentralbanken aus, ihre Rolle neu zu definieren und innovativer zu werden.

Während den Experimenten mit digitalen Zentralbankwährungen viel Aufmerksamkeit geschenkt wurde, ist die Schaffung und Gestaltung einer neuen digitalen Infrastruktur rund um interoperable Zahlungssysteme von noch größerer Bedeutung. Angesichts der strukturellen Komponente des Kapitals kann dies den Wettbewerb zwischen Banken, die Integration und die Zugänglichkeit erhöhen und möglicherweise neue Instrumente für das Management von Volkswirtschaften in Krisenzeiten bieten.

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